Emissionsminderung bei Kremationsanlagen: VDI 3891 setzt neue Standards

Wegweiser zu einem Krematorium

In Deutschland gibt es knapp 200 Humankremationsanlagen.

Im April 2026 wurde die VDI-Richtlinie VDI 3891 „Emissionsminderung – Anlagen zur Humankremation“ veröffentlicht. Sie stellt einen wichtigen Meilenstein für den umwelt- und klimaschutzorientierten Betrieb von Kremationsanlagen dar. Unter dem Vorsitz der Arbeitsgruppe von Dr. Gebhard Schetter sowie mit Peter Plegnière als Vertreter der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) wirkte unser Kollege Christopher König aus unserer Niederlassung Reutlingen aktiv an der fachlich-inhaltlichen Ausgestaltung der Richtlinie mit.

Die Bedeutung der neuen Richtlinie ist hoch: Die Feuerbestattung nimmt bundesweit kontinuierlich zu und macht inzwischen über 70 Prozent aller Bestattungen aus. In Deutschland werden derzeit knapp 200 Humankremationsanlagen von kommunalen und privaten Betreibern betrieben. Diese Anlagen können – bei unzureichender Auslegung oder Betriebsweise – relevante Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Klima haben.

Technischer Stand, Umwelt- und Klimaschutz sowie ethische Grundsätze

Die VDI 3891 beschreibt den aktuellen Stand der Prozesstechnik von Humankremationsanlagen und zeigt konkrete Maßnahmen auf, um mögliche schädliche Auswirkungen zu vermeiden oder wirksam zu mindern. Dabei geht die Richtlinie bewusst über rein technische Fragestellungen hinaus:
Neben emissions- und anlagentechnischen Anforderungen berücksichtigt sie ethische Grundsätze sowie Aspekte eines würdevollen und verantwortungsvollen Umgangs mit den Verstorbenen.

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Richtlinie ist die konkrete messtechnische Anleitung zur Überwachung der Anlagen gemäß der 27. BImSchV, die Betreibern, Behörden und Prüfinstitutionen eine praxisnahe und einheitliche Grundlage bietet.

Wichtige Neuerungen und Schwerpunkte der Überarbeitung

Bei der aktuellen Überarbeitung der Richtlinie wurden insbesondere folgende Punkte berücksichtigt:

  • Empfehlungen zur Einhaltung und Überwachung des CO-Grenzwerts
  • Hinweise für einen optimierten und umweltschonenden Betriebsablauf
  • Maßnahmen zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz
  • Neueste Erkenntnisse zur Temperaturabsenkung in der Nachbrennzone
  • Anforderungen an Särge, Sargausstattung und Beigaben
  • Aktuelle Erkenntnisse zum Umgang mit radioaktiv belasteten Verstorbenen
  • Möglichkeiten zur Minderung von Quecksilberemissionen
  • Betrachtung der Auswirkungen beigesetzter Asche auf den Boden und das Grundwasser

Damit trägt die Richtlinie wesentlich dazu bei, Emissionen zu begrenzen, den Anlagenbetrieb weiter zu optimieren und gleichzeitig Umwelt-, Gesundheits- und Klimaschutzaspekte umfassend zu berücksichtigen.

Arbeitsmittel für Praxis und Behörden – Bedeutung für die Weiterentwicklung des Immissionsschutzrechts

Die VDI 3891 richtet sich an einen breiten Anwenderkreis. Sie dient gleichermaßen als Arbeits- und Orientierungsgrundlage für:

  • Bauherren und Betreiber von Kremationsanlagen
  • Planer, ausführende Firmen und Anlagenhersteller
  • Hersteller und Bezieher von Särgen und Bestattungszubehör
  • Aufsichts- und Überwachungsorgane
  • Prüfinstitutionen und Behörden

Darüber hinaus stellt die Richtlinie eine wichtige Informationsquelle für die geplante Novellierung der 27. BImSchV dar und leistet damit einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens.

Wir freuen uns, dass unser Kollege Christopher König seine fachliche Expertise aktiv in diesen wichtigen Regelsetzungsprozess einbringen konnte – und damit zur nachhaltigen, verantwortungsvollen Weiterentwicklung dieses sensiblen Anlagentyps beiträgt.