Vom 13. bis 15. März fand in Landshut die von der GemeindeZeitung organisierte Umweltmesse statt. Begleitet wurde sie vom Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“, bei dem Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Verwaltung und Fachpraxis über aktuelle Umwelt- und Klimaschutzthemen diskutierten. Für Müller‑BBM Industry Solutions GmbH war Dr. Katharina Baumann mit einem Fachvortrag zur Stadtklimaanalyse vertreten.
Im Mittelpunkt ihres Beitrags stand die Frage, wie Kommunen besser mit steigenden Temperaturen und zunehmenden Hitzebelastungen umgehen können. Gerade in dicht bebauten Städten führen Versiegelung, geringe Durchlüftung und zusätzliche Abwärme dazu, dass sich urbane Räume deutlich stärker aufheizen als ihr Umland. Um wirksame Gegenmaßnahmen planen zu können, sind belastbare Analysen des Stadtklimas eine zentrale Grundlage.
Dr. Baumann erläuterte, wie Stadtklimaanalysen dabei helfen, thermisch besonders belastete Bereiche innerhalb eines Stadtgebiets zu identifizieren. Mithilfe numerischer Simulationen lassen sich Temperaturverteilungen, Windverhältnisse oder Strahlungseinflüsse räumlich differenziert darstellen. Ein entscheidender Bewertungsmaßstab ist dabei die physiologisch äquivalente Temperatur (PET), die als „gefühlte Temperatur“ neben der Lufttemperatur auch weitere klimatische Einflussgrößen berücksichtigt. So wird sichtbar, wo Menschen tatsächlich besonders unter Hitze leiden.
An Beispielen zeigte sie, wie groß die Unterschiede innerhalb einer Stadt sein können: Während Grünflächen und Parks kühlend wirken, entstehen in stark versiegelten Straßenräumen oder Innenhöfen ausgeprägte Hitzeinseln. Für Kommunen lassen sich daraus konkrete Fragestellungen ableiten – etwa zur gezielten Begrünung, zur Verschattung öffentlicher Plätze oder zur klimaangepassten Gestaltung von Schulhöfen und Aufenthaltsflächen.
Ein zentrales Thema des Vortrags war zudem die räumliche Auflösung von Stadtklimamodellen. Hochauflösende Simulationen liefern besonders detaillierte und aussagekräftige Ergebnisse, sind jedoch mit einem hohen Rechen- und Kostenaufwand verbunden. Hier setzt ein neuer Ansatz an, den Dr. Baumann vorstellte: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur sogenannten Super‑Resolution. Dabei werden zunächst grob aufgelöste Simulationen berechnet, die anschließend mithilfe trainierter neuronaler Netze auf eine feinere räumliche Auflösung hochgerechnet werden.
Die vorgestellten Ergebnisse zeigten, dass sich mit diesem Verfahren realitätsnahe Resultate erzielen lassen – bei deutlich reduziertem Zeit- und Kostenaufwand. Abweichungen zur klassischen hochauflösenden Simulation liegen nur in geringem Umfang, während sich die Rechenzeiten erheblich verkürzen. Zudem kann ein einmal trainiertes KI‑Modell auf unterschiedliche Städte und Gemeinden angewendet werden.
Für die kommunale Praxis eröffnet dies neue Möglichkeiten: Hochauflösende Stadtklimaanalysen werden wirtschaftlicher und ermöglichen es, verschiedene Maßnahmen zur Klimaanpassung frühzeitig zu bewerten und gezielt einzusetzen. Der Vortrag auf der Umweltmesse Landshut machte deutlich, welches Potenzial KI‑gestützte Verfahren für eine zukunftsfähige und klimaangepasste Stadtentwicklung bieten.